„Wie, die Kirche soll verputzt werden? Das war sie aber noch nie!“, „Die Blau – Weiße – Musterung in der Kirche sieht gut aus, warum soll diese jetzt weg?“ oder „Unsere Kirche heißt nicht Coudray-Kirche!“ sind Aussagen, die in den letzten Wochen die Mitglieder des Orgelfördervereins in Rastenberg gehört haben. Am 17. Juli 2015 fand im Anschluss an den Bauausschuss für die Kirchenrenovierung eine öffentliche Bürgerinformation statt. Eingeladen hatten der Bürgermeister Uwe Schäfer und der Pfarrer Andreas Simon. Etwa 30 Interessierte hörten den Ausführungen der Fachleute zu und stellten ihre Fragen.

Die Bürgerinformation begann mit der Besichtigung der Westseite unserer Kirche. Hier erklärte der Diplomrestaurator Sven Raecke den Bauzustand der Außenwand. Die Außenwände der Kirche bestehen aus glattgeschliffenen und grobbearbeiten Sandsteine die die Zwischenräume ausfüllen. Ursprünglich sollten diese Zwischenräume mit einen 2 – 5 mm starten Schlämmputz versehen werden. Dieser Schlämmputz wurde in anderen Kirchen der damaligen Zeit aufgetragen um die Außenfassaden vor der Witterung zu schützen. Bei einer Baubegehung im Jahre 1826 wurde die Arbeit der Maurer als so gut bezeichnet, dass man auf das Verputzen verzichteten konnte (vgl. Vette, Bothe, Lobenstein, Schriftenreihe des Heimatvereins Heft 2 – 2011, S. 76 ff). Es ist gut anzunehmen, dass in Rastenberg dieser Außenputz in Folge des Ablebens des Mäzens Großherzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach aus Geldmangel nicht aufgetragen wurde. Nach nunmehr 200 Jahren merkt man das Fehlen dieses Schutzes, der Sandstein löst sich auf und lässt Wasser und Wind durch. Das wirkt sich auf die dahinter befindliche Orgel aus. Im Herbst dieses Jahres soll nun geprüft werden welche Art von Schutz aufgetragen werden soll. Die Westseite der Kirche erhält also eine Musterachse die als Grundlage für spätere Diskussionen dienen soll.





Die ausführende Architektin Frau Löffler führte durch die Veranstaltung und erklärte den Gästen die geplanten einzelnen Bauphasen. So wird dieses Jahr noch die Musterachse an der Westseite der Kirche fertiggestellt und im kommenden Jahr mit dem 1. Bauabschnitt Decken, Wände und Böden im Innenbereich des Westteiles mit einer Staubschutzwand nach der Orgelempore begonnen.

Alle erstellten Musterachsen dienen der fachlichen und konstruktiven Basis für eine Diskussion über die Gestaltung der Kirche.

Zum Abschluss der Bürgerinformation sprach Christoph Zimmermann, Referent für Orgeln der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, über den Stand der Orgelsanierung. Aufgrund der baulichen Maßnahmen innerhalb und an der Kirche werden die Arbeiten an der Orgel erst 2018 beginnen. Hier dann die Restaurierung der Orgelkammer mit den Inschriften der Rastenberger und des Orgelprospektes .Unterstützt durch Fördergelder und von Forschungsmitteln soll darüber hinaus versucht werden die Windanlage der Orgel in den originalen Zustand zurückzuführen. Der Wind innerhalb der Orgel wird seit den 1930‘er Jahre von einen Gebläse erzeugt. Die damit einhergehende bauliche Veränderung ist aber nicht typisch für eine solche Orgel dieser Zeit. Neben dem Gebläse besitzt die Rastenberger Orgel ihren ursprünglichen Balgantrieb. Durch ein neues Antriebskonzept, um Beispiel über einen Linearantrieb, kann der ursprüngliche Balgantrieb genutzt werden. Für die Erforschung dieses Antriebs werden gerade Möglichkeiten der Förderungen geprüft. Dieses Konzept ist einmalig und könnte als Referenz dienen für viele andere Orgeln weltweit.

